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Entwicklung des Bergbaus in Münstertal

bis Ende des 18. Jahrhunderts                 (Quelle: Herbener 2012)

Rudolf Metz (1967) nennt das Münstertal eines der wichtigsten Bergreviere des Schwarz­waldes. [1] Hämatitbergbau wurde im Münstertal (Ortsteil Rammersbach) für die Jung­steinzeit (Neolithikum) nachgewiesen.[2] Hämatit (Rotocker) diente den Steinzeit­men­schen zur Farbherstellung und Ledergerbung.[3] Seit welchem Zeitalter der Erzbergbau im Münstertal betrieben wurde, ist unbekannt. Im Sulzbachtal, einem südwestlich angrenzenden Nachbartal, wurde bei Testgrabungen des Freiburger Instituts für Ur- und Frühgeschichte anhand Fundkeramik römischer Bergbau belegt.[4] Für das Münstertal ist römischer Bergbau anzunehmen; ein eindeutiger Nachweis fehlt bislang. Es existiert lediglich ein Bericht von Hugard (1889) über den Fund römischer Bergwerksgeräte aus verschütteten Gruben im Münstertal.[5] Im Gebiet des Schwarzwalds dürfte zu Beginn des 4. Jahrhunderts der römische Bergbau zum Erliegen gekommen sein, da Grenzbefestigungen aufgegeben wurden, und der Erzbergbau in den Tälern vor den einfallenden Germanen nicht mehr sicher war.

Um die Jahrtausendwende florierte der Bergbau wieder, wobei sich die Pioniere der damaligen Zeit an alten aufgelassenen Stollen des Schwarzwaldes orientierten.[6]

Schmidt (1889) schreibt in seinem Werk „Geologie des Münsterthales“, dass auf dem Teufelsgrund- und Schindlergang 1028 n. Chr. noch kein Bergbau betrieben wurde. Schmidt bezieht sich auf eine Urkunde Kaiser Konrads II. von 1028 n. Chr. über die Verleihung der Bergrechte im Münstertal an den Bischof zu Basel, in welcher diese Abbaugebiete noch nicht erwähnt werden.[7] Dagegen sind die Silbergruben im Münstertäler Ortsteil Steinbrunnen aufgeführt. Diese Urkunde liefert den ältesten schriftlichen Nachweis über Bergbau im Schwarzwald.[8] Es gibt zahlreiche Hinweise, dass der Bergbau im Münstertal wesentlich älter ist, als bisher angenommen wurde. Der älteste Nachweis für den Silberbergbau im Münstertal erbrachte ein von F. Kirchheimer (1968) mit der C14 Methode analysiertes, verkieseltes Stück Holzkohle aus der Grube Teufelsgrund/Schindlergang, welches einen Erzabbau zwischen 955 - 1075 n. Chr. datierte.[9]

Nach Zettler (1990) liefert Orts- und Flurnamensforschung Hinweise zur Alters­be­stim­mung des mittelalterlichen Silberbergbaus im Südschwarzwald.[10] Der Staufener Ortsteil­nah­me Kropbach setzt sich nach den Recherchen von Steuer (1999) aus den althochdeutschen Wörtern „cropa“ (Grube) und „aha“ (Bach) zusammen. Da die entscheidende Laut­ver­schie­bung vom Alt- zum Mittelhochdeutschen, nämlich ein gesetzmäßig verlaufender Sprach­wan­del zu „gruoba“ statt „cropa“ nicht vollzogen wurde, deutet dieser Name auf das 8. Jahrhundert hin.[11] Die Hochblüte des Münstertäler Silbererzbergbaus lag im 12. und 13. Jahrhundert. Blei wurde in dieser Zeit als Nebenprodukt gewonnen. Da Münstertal seit 1365 zu Vorderösterreich gehörte, übernahm 1412 Herzog Friedrich von Österreich, als Landesherr von Vorderösterreich und Lehnsherr des Klosters St. Trudpert, die oberste Verfügung über die Münstertäler Bergwerke, deren unmittelbare Verleihung dem trudpertinischen Abt und dem herzoglichen Vogt zustand.[12]

Mit steigendem Einfluss des Benediktinerordens von St. Trudpert kamen immer mehr Münstertäler Bergbaugruben in dessen Besitz, welche im Ortsteil Stohren, damals Brizzenberg genannt, und im unteren Münstertal lagen. Der trudpertinische Silbererzbergbau dauerte bis zur Stilllegung der Gruben am Stohren im Jahre 1520 an. Mit Beginn des Bauernkrieges wurden die Bergbauaktivitäten teilweise eingestellt. Im Jahr 1602 übernahmen die Fugger die Münstertäler Gruben und betrieben sie bis 1629. Die Unruhen des Dreißigjährigen Krieges brachten den Bergbau vorerst zum Erliegen. Zur Gewinnung von Silber, Blei und Kupfer wurden Anfang des 18. Jahrhunderts stillgelegte Gruben reaktiviert.[17] Eine besondere Rolle beim Wiederaufbau des Münstertäler Bergbaus kam Abt Augustin Sengler von St. Trudpert zu. Durch sein Wirken trug er dazu bei, dass die trudpertinischen Bergwerke Anfang des 18. Jahrhunderts wieder betrieben werden konnten. Überwiegend bergverständige Zuwanderer aus den Alpenländern hatten die alten Gruben wieder in Betrieb zu nehmen.[18] 1719 wurden fünfzig Gedenkmünzen zu Ehren der wieder errichteten Erzgruben geprägt.[19] [20] Ende des 18. Jahrhunderts kam der Bergbau erneut zum Erliegen. Damit einhergehend war der wirtschaftliche und politische Einfluss des Klosters St. Trudpert geschwunden. Ein weiterer Grund für den Machtverlust war die durch Kaiserin Maria Theresia begonnene und von Kaiser Joseph II. fortgesetzte Reformpolitik in den Habsburger Vorlanden. Infolge kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Frankreich wurden 1796 alle Bergwerksbetriebe im Münstertal auf Befehl der österreichischen kaiserlich-königlichen Hofkammer eingestellt.[21] 1806 übernahm im Zuge der Säkularisation die Großherzogliche badische Regierung die Gruben im Münstertal.[22]



Quellenbelegung:

 

[1] Vgl. Metz, Rudolf (1967), S.141.

[2] Vgl. Goldenberg und Maas (1999), S. 21ff.

[3] Vgl. Goldenberg (1990), S.108.

[4] Vgl. Goldenberg (1990), S.102.

[5] Vgl. Hugard (1873), S. 30.

[6] Vgl. Zettler (1999), S. 44.

[7] Vgl. Schmidt (1889), S. 54.

[8] Vgl. Schlageter (1989), S.131; Vgl. Dennert (1993), S. 126.

[9] Anm.: Für Steuer (1999) deutet dieser Fund lediglich auf eine Datierungsspanne für das Bergwerk vom späten 10. bis zum 12. Jahrhundert, Vgl. Steuer (1999), S. 56.

[10] Vgl. Zettler (1990), S. 73.

[11] Vgl. Steuer (1999), S. 50.

[12] Vgl. Schmidt (1889), S. 54.

[17] Vgl. Schlohmann (1987), S. 13; vgl. auch Gruber (2000), S. 330 ff., und Schlageter (1989), S. 257 ff; Anm.: Metz, Rudolf (1967) beschreibt Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf das Schwarzwälder Bergwesen: „Den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, der am Oberrhein besonders wütete, fiel das gesamte vorderösterreichische Bergwesen zum Opfer. Hüttenwerke und Silberschmelzen wurden geplündert, die Bergleute durch Kriegshorden, Hunger, Seuchen oder religiöse Unduldsamkeit vertrieben.“;Metz, Rudolf (1967), S. 144.

[18] Vgl. Metz, Rudolf (1967), S. 144; Anm.: Einige der Münstertäler Familiennamen wie beispielsweise Wiesler oder Pfefferle haben einen Südtiroler (Österreich) Ursprung.

[19] Vgl. Schlageter (1989), S. 223.

[20] Anm.: Beim Abriss des ehemals klostereigenen Schmelz- und Pochwerks im Münstertäler Ortsteil Hof fand man 1836 die Prägestempel der Münze. Daraufhin gab Großherzog Leopold von Baden den Auftrag, einige wenige Exemplare zu fertigen. Der Prägestempel gilt heute als vermisst; vgl. hierzu Kirchheimer (1967), S. 74.

[21] Vgl. Gruber (2000), S. 330.

[22] Vgl. Schlageter (1989), S. 260 ff.

Original Gedenkmünze zur Wiedererrichtung der trudpertinischen Bergwerke 1719 (Abschlag 1836)